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1000 Jahre St.Koloman

Vom 13. Oktober 2011 bis zum 13. Oktober 2012 feiert die Katholische Pfarre Stockerau das Jubiläum 1000 Jahre St. Koloman. 2012 feiert Stockerau auch 1000 Jahre Stockerau und unser Kloster St. Koloman seine Gründung vor 100 Jahren.

Zu diesem Zweck haben wir hier Sonderseiten eingerichtet, die Informationen rund um das Jubiläumsjahr bieten.
 

Lesen Sie hier zum Beispiel einen Überblick über alle Veranstaltungen im Jubiläumsjahr (Oktober 2011 - Oktober 2012) oder probieren Sie Süßes zum Jubiläum.

 

Weitere Links zum Thema Heiliger Koloman:

Beginnen möchten wir mit einem Einführungsartikel, den Ernst Lauermann für das Stockerauer Pfarrblatt unterwegs Ausgabe Mai 2011 verfasst hat.

 

 

1000 Jahre Stockerau
Was feiern wir eigentlich?
 
Die Stadt Stockerau begeht 2012 die 1000 Jahrfeier. Vielen Bewohnern unserer Stadt ist wohl nicht ganz klar, was hier eigentlich gefeiert wird. In den Medien hält sich bis heute das Interesse an diesem Jubiläum in Grenzen. Viele sind ratlos und fragen sich: „Was sollen wir eigentlich feiern?“ Die Pfarre Stockerau sieht das ganz anders: Wir begehen die 1000 Jahre aus mehreren Blickwinkeln. Die nächsten beiden Pfarrblätter stehen ganz unter dem Eindruck dieses Jubiläums.
Deshalb möchte ich heute auf die historischen Hintergründe eingehen und hoffe sehr, die geneigte Leserschaft nicht zu langweilen.
Bischof Thietmar von Merseburg (975 – 1018) erzählt in einem seiner acht Bücher seiner Chronik, dass damals der irische Pilger Koloman anlässlich seiner Heimkehr aus dem Heiligen Land bei Stockerau den Tod am Galgen gefunden hat. Der Grund dafür waren Verständigungsschwierigkeiten zwischen ihm und der einheimischen Bevölkerung. Der fremden Sprache und der fremden Kleidung wegen verdächtigte man ihn schließlich, ein böhmischer oder gar ungarischer Spion zu sein, und brachte ihn vor den Richter.
Dazu muss man wissen, dass die Gegend um Stockerau am beginnenden 11. Jahrhundert Grenzgebiet war. Die Babenberger beherrschten seit 976 bestenfalls den Donauraum; Böhmen, Mährer, Polen und Ungarn bedrohten immer wieder durch feindliche Übergriffe dieses Gebiet. So war es nur verständlich, dass jedem Fremden mit großem Misstrauen begegnet wurde.
Koloman kam vor den Richter, konnte aber auch vor der Obrigkeit keine andere Sprache verwenden. Um ihn zum Reden zu bringen, riss man ihm mit glühenden Zangen Fleisch aus dem Körper und zersägte ihm die Schienbeine. Alles half nichts, so wurde schließlich der allzu „verstockte Landesfeind“ zwischen zwei Räubern an einem Holunderbaum aufgehängt. Die Melker Annalen verzeichnen das Martyrium des Koloman zum Jahr 1012.
Nun sollen sich, wie verschiedene Legenden berichten, um den Gehängten zahlreiche Wunder ereignet haben. Der Leichnam blieb unversehrt, obwohl die Beine zersägt worden waren, der dürre Holunderbaum begann wieder auszutreiben, beim Herausschneiden von Fleisch aus dem Leichnam strömte an dieser Stelle warmes Blut aus dem Körper. Durch das herausgeschnittene Fleisch sollen sich auch Wunder ereignet haben. Der Leichnam wurde daraufhin abgenommen und in einer eben erst errichteten Kirche beigesetzt
Am Grab des Heiligen ereigneten sich weiterhin Wunder, schließlich erfuhr auch der damals in Melk residierende Babenberger Markgraf Heinrich I. davon. Er ließ die Vorfälle untersuchen. Schon bei der Öffnung des Grabes erwies sich Koloman wiederum völlig unversehrt, obwohl schon zwei Jahre seit der Beisetzung vergangen waren. Schließlich wurde im Auftrage des Markgrafen die Überführung nach Melk angeordnet. Dies geschah nach den Melker Annalen 1014, die Beisetzung in Melk erfolgte am 13. Oktober. Dieser Tag ist seit jeher der „Kolomanitag“.
Am 13. Oktober 2011 beginnt nun in Stockerau seitens der Pfarre das „Kolomanijahr“, das dann am 13. Oktober 2012 seinen Abschluss findet.
Ich hoffe, damit einen kleinen historischen Überblick gegeben zu haben. Man kann nun von dieser Legende glauben und halten was man will. Tatsache ist: Koloman war Jahrhunderte lang Landespatron von Niederösterreich und wurde erst 1663 vom Babenberger Leopold III., dem Heiligen, in dieser Funktion abgelöst.
Koloman sollte aber auch als Heiliger unserer Tage angesehen werden, wo doch heute alles Fremde mit Argwohn betrachtet und abgelehnt wird. Koloman kann zur Identitätsfindung unserer Stadt beitragen, Koloman ist einzigartig, Koloman haben nur wir Stockerauer, eigentlich sollten wir uns dessen bewusst werden und im Sinne unseres Patrons handeln und dem Fremden und den Fremden gegenüber mehr Nächstenliebe und Toleranz entgegenbringen. Stockerau, die Kolomanstadt, als Vorbild für den positiven Umgang mit Fremden. Wenn uns das gelingt, haben wir Stockerauer aus der Geschichte gelernt, das wäre vermutlich auch einzigartig in der Geschichte.
 
Ernst Lauermann
 
Für Interessierte zum Weiterlesen:
 
Dr. Ernst Lauermann ist der Leiter des Museums für Urgeschichte in Asparn an der Zaya. Sein Ziel ist, Archäologie erlebbar zu machen. 

 


Letzte Änderung: 15.12.2011, 15:03