Der Schutzpatron der Ministranten
Tarcisius von Rom (Märtyrer des 3. Jahrhunderts und Patron der Ministranten)
Tarcisius - der Name Tarcisius kommt aus dem Griechischen, und zwar von dem Wort: θαρσέω (so sieht das in den originalen griechischen Buchstaben aus). Tharseo heißt: Ich bin mutig. Der Name Tarcisius bedeutet also:
Der Mutige.
Tarcisius war Akolyth (Diener am Altar) oder Diakon. Er lebte in Rom im 3. Jahrhundert. Papst Damasus I. lobte Tarcisius sehr. Warum? Tarcisius habe unerschrocken die heilige Eucharistie zu den Gläubigen getragen und sei auf seinem Weg von heidnischem Pöbel überfallen und erschlagen worden. Der Papst vergleicht den Tod des Tarcisius mit dem Tod des heiligen Stephanus, was darauf hindeutet, dass Tarcisius gesteinigt wurde. Als Todestag und Gedenktag des heiligen Tarcisius gilt der 15. August des Jahres 257.
Tarcisius ist ein Märtyrer, also jemand, der seinen Glauben mit dem Leben bezahlte. Sein Grab befindet sich in der Calixtus-Katakombe in Rom. Dargestellt wird er als Diakon mit Palme, Steinen und Hostie. Weil der Knabe Tarcisius im Dienst für seine Gemeinde starb, gilt er als Schutzpatron der Ministranten.
Übrigens: Im Stephansdom in Wien gibt es eine kleine Tarcisiusglocke!
Die Legende des heiligen Tarcisius
(Quelle: s. G. Erbrich, Grundkurs Ministranten, 16ff)
Tief in den römischen Katakomben feiert ein kleine Gemeinde Gottesdienst. In Rom können Christen nicht immer ihres Lebens sicher sein. So sind die Katakomben ziemlich unverdächtige Treffpunkte für die jungen Gemeinden.
Der alte Priester wendet sich an die Gläubigen: »Ich habe die schlimme Nachricht bekommen, dass viele unserer gefangenen Brüder und Schwestern morgen den wilden Tieren im kaiserlichen Zirkus vorgeworfen werden sollen. Sie sind schwer bewacht. Wir werden sie nicht befreien können. Damit ihnen die Kraft zu sterben nicht fehlt, sollen sie noch einmal die heilige Eucharistie empfangen. Da ich aber den Wächtern bekannt bin, muss einer von euch sie zu den Gefangenen tragen. Wer will das tun?« Ohne zu zögern, heben viele die Hand. Da drängelt sich ein Knabe nach vorn. Es ist Tarcisius. »Vater, lass mich das heilige Brot zu den Gefangenen bringen. Ich bin schnell, klein, und sie werden mich sicher ins Kolosseum lassen.«
Eine Weile überlegt der Priester. Aber der Junge hat Recht. Bei einem Kind werden die Wächter wahrscheinlich arglos sein. Er legt ihm die Kette mit der silbernen Kapsel um den Hals. Tarcisius wird von allen gesegnet und schleicht leise aus der Katakombe ins nächtliche Rom.
Am nächsten Morgen steht er früh auf. Trotzdem ist es schon hell, als er durch die Straßen Roms geht. Plötzlich wird er am Arm
gepackt. »Heh, wo willst du hin?« ruft ihm ein Junge zu, »hier ist unsere Straße.« »Was willst du denn von mir?« »Also entweder musst du Wegzoll zahlen oder mir sagen, wo du hinwillst. Sonst nehmen wir dich mit.« »Ich kann jetzt nicht«, erwidert Tarcisius, »ich habe etwas Wichtiges zu tun.« - »So, was denn?«, fragt der Junge und pfeift. Auf einmal ist Tarcisius von fünf großen Jungen umringt, die ihn finster mustern. »Was hältst du da eigentlich unter deinem Rock fest? Heh? Darf man das vielleicht mal sehen?« »Nein, lasst mich bitte gehen«, sagt Tarcisius fest. »Los, ich will wissen, was du da hast. Her damit!«
Einer der Jungen versucht ihm die Hand wegzureißen. »Ich zeig' es euch nicht!« Da fällt die Bande brüllend über ihn her. Verzweifelt wehrt sich Tarcisius. Wütend schlagen die Jungen auf ihn ein. Sie treten ihn mit Füßen und stoßen ihn zu Boden. Aber Tarcisius lässt nicht los. Da kommen Erwachsene die Straße entlang. »Wieso macht ihr früh am Morgen so einen Lärm?« »Der da hat was geklaut«, sagt einer der Jungs und grinst. »Gar nicht«, sagt Tarcisius und wischt sich Blut aus dem Gesicht. »Nun zeig mal, vielleicht hast du ja wirklich was gestohlen?«' Ein Mann versucht mit einem festen Griff Tarcisius' Hand zu öffnen. Als er die eigenartige Kapsel sieht, ruft er: »Das ist ein Christ, der seinen Gott bei sich hat!« »Ein Christ! Ein Christ!«, schreien nun zehn, zwanzig Stimmen.
»Los, her damit!« Tarcisius presst seine Hand fest zusammen. Zuerst schlägt der Mann zu. Dann prasseln von allen Seiten Schläge auf ihn nieder, treffen ihn an Kopf, Leib und Gliedern. Er stöhnt auf vor Schmerz. Aber seine Hand lässt nicht los. Als er auf dem Boden liegt, fliegt der erste Stein. In diesem Augenblick kommt ein römischer Offizier vorbei. Mit wuchtigen Stößen macht er sich Platz.
»Schämt ihr euch nicht, ein Kind zu überfallen?«, donnert er, »ihr wollt Römer sein?« »Er ist ein Christ, der seinen Zauber bei sich trägt«, ruft einer der Umstehenden. »Was geht das euch an?«, fährt der Offizier ihn an, »wer ihn anrührt, bekommt es mit mir zu tun.« Vor dem Zorn des Soldaten verkriecht sich die wütende Meute. Einer nach dem anderen zieht verlegen seines Weges. Der Offizier beugt sich zu Tarcisius herab. Er ist selbst Christ und kennt den Jungen aus den Katakomben. Da schlägt der Junge die Augen auf, schaut den Offizier an und spricht mühsam: »Ich habe ihnen die heilige Speise nicht gegeben!«
Behutsam trägt der Offizier den Jungen in ein Haus. Der Offizier hat inzwischen dem Jungen die Silberkapsel aus der Hand genommen. Jetzt beugt er sich über ihn und sagt: «Hörst du mich, Tarcisius?« Der Junge nickt kaum noch. Der Offizier hat in den Kriegen viele Sterbende gesehen. Traurig sieht er, dass er nichts mehr machen kann. »Hast du noch einen Wunsch?« »Gib mir vom heiligen Brot.« Da öffnet der Offizier die silberne Kapsel. Schwer geht sie auf, denn die Faust des Jungen hat sie fest zusammengedrückt. »Der Leib unseres Herrn Jesus Christus!«
»Amen.«, flüstert Tarcisius schwach. Der Offizier reicht ihm die heilige Eucharistie. Kurz darauf stirbt Tarcisius.