Habsucht und Gerechtigkeit

Habsucht und Gerechtigkeit

5. August 2019 0 Von Tom Kruczynski

Im heutigen Evangelium warnt Jesus seine Jünger vor der Habsucht, die – so sagt uns Paulus (Kol 3,5) – ein Götzendienst ist. Das Evangelium beginnt mit einer Begegnung eines Mannes, der sich ungerecht behandelt fühlt, und der Jesus um Hilfe bittet. Doch Jesus antwortet überraschend:

In jener Zeit bat einer aus der Volksmenge Jesus:
Meister, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen!
Er erwiderte ihm: Mensch,
wer hat mich zum Richter oder Erbteiler bei euch eingesetzt?
Dann sagte er zu den Leuten: Gebt Acht,
hütet euch vor jeder Art von Habgier!
Denn das Leben eines Menschen besteht nicht darin,
dass einer im Überfluss seines Besitzes lebt.

Lk 12,13-15

Diese überraschende Antwort Jesu ist Ausgangspunkt meiner Predigt:

  • im ersten Teil geht es um das schwierige Verhältnis von menschlichem Recht und göttlicher Gerechtigkeit (göttlichem Willen) – hier kommt die Gesellschaft als ganzes in den Blick,
  • während ich mich im zweiten Teil dem einzelnen zuwende und der Frage nachgehe, ob es eine Beziehung zwischen Habsucht und unserer Vorstellung von Gerechtigkeit und deren Nichteintreten in dieser Welt gibt.

Das Gleichnis vom reichen Mann, dessen Leben zurückgefordert wird

Und er (Jesus) erzählte ihnen folgendes Gleichnis:
Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte.
Da überlegte er bei sich selbst: Was soll ich tun?
Ich habe keinen Platz, wo ich meine Ernte unterbringen könnte.
Schließlich sagte er:
So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen
und größere bauen;
dort werde ich mein ganzes Getreide
und meine Vorräte unterbringen.
Dann werde ich zu meiner Seele sagen:
Seele, nun hast du einen großen Vorrat,
der für viele Jahre reicht.
Ruh dich aus, iss und trink
und freue dich!

Lk 12,16-19 Hervorhebungen TK

Im ersten Teil des Gleichnisses

Und die Frage, die wir uns auch stellen dürfen, wenn der reiche Mann sagt: „Dann werde ich zu meiner Seele sagen“ – wem gehört unsere Seele?

Da sprach Gott zu ihm: Du Narr!
Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern.
Wem wird dann das gehören, was du angehäuft hast?
So geht es einem,
der nur für sich selbst Schätze sammelt,
aber bei Gott nicht reich ist.

Lk 12,20-21

Predigt von Pfarrer Tom Kruczynski zu den Lesungen vom 18. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr C:

  • Koh 1,2;2,21-23
  • Ps 90, 3–4.5–6.12–13.14 u. 17
  • Kol 3,1-5.9-11
  • Lk 12,13-21