Kommentar zu den Sonntagslesungen 5. Sonntag C

8. Februar 2019 Aus Von Tom Kruczynski
Kommentar zu den Sonntagslesungen 5. Sonntag C

(von Pater Antonio Sagardoy )

Jesaja 6,1-2a.3-8
1 Korintherbrief 15,1-11
Lukasevangelium 5,1-11

https://www.erzabtei-beuron.de/schott/schott_anz/index.html?datum=2019-02-10

Alle drei Bibeltexte berichten heute von Menschen, die im Angesicht Gottes ihre persönliche Situation entdecken: Jesaja, Paulus und Petrus. In der letzten Zeit sprechen wir sehr oft von der Bedeutung einer Gottes Begegnung und Gotteserfahrung für unser Glaubensleben.
Wo das Licht Gottes unser Leben hell macht, sehen wir sehr deutlich unsere Schattenseiten. Es ist eine Erfahrung, die wir im Alltag immer wieder machen: wer dem Licht nahe ist, entdeckt Kleinigkeiten, die nicht in Ordnung sind.
In unseren Tagen ist die Begegnung mit dem Herrn in der Stille, im Alltag und in der Begegnung mit unseren Mitmenschen von großer Bedeutung. Je näher wir Gott sind, desto deutlicher werden wir uns selbst kennen lernen und unser Sosein bejahen.
Die Selbstbejahung – trotz der Entdeckung von Schattenseiten – ist für Gott kein Hindernis mit uns zu rechnen und uns zu senden.
Interessant ist der Rahmen, indem Jesus Petrus begegnet. Petrus – der große Fischer – hat Grenzen erlebt. Vergeblich hat er die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Jesus nähert sich dem Petrus und sagt zu ihm mit einem befehlenden Ton: fahre hinaus auf den See! Jesus sagt dieses Wort einem Experten als Fischer, doch dieser hat die Größe trotz Enttäuschung und Müdigkeit dem Meister Vertrauen zu schenken.
Viele Menschen, die Experte in der Vorbereitung von apostolischen Veranstaltungen sind, können von Momenten berichten, in denen sie sich bemüht und eingesetzt haben ohne sichtbaren Erfolg.
Wenn ich über diese Situation nachdenke, sage ich mir: Wir haben gut durchdachte Pastoralkonzepte und Programme, die wir in die Tat umsetzen wollen. Was ist, wenn Jesus von der Kirche, von uns erwartet, dass wir Sicherheitszonen und menschliche Pläne verlassen und im Vertrauen auf Ihn andere Schritte wagen?
Vielleicht bewegen wir uns immer nur in Zonen, die zwar keine Gefahr bedeuten aber auch einen Fischfang unmöglich machen; vielleicht lassen wir uns mehr von der Angst als vom Vertrauen zu Jesus leiten; vielleicht suchen wir mehr unsere Sicherheit als die Erfüllung des Auftrags Gottes.
Habe keine Angst vor Gott deine Schwachheit zuzugeben, hören wir heute, vergiss aber nicht, dass Gottes Vertrauen zu dir größer ist als deine Schwachheit.
Jesaja sagt: weh mir, ich bin ein Mann mit unreinen Lippen. Paulus spricht von ihm selbst als Missgeburt. Petrus sagt nach dem einmaligen Fischfang: geh weg von mir, ich bin nur ein Sünder.
Die heutigen Texte unterstreichen eine sehr klare Botschaft: Welche Menschen sucht Gott um seinen Auftrag zu erfüllen? Er sucht nicht vollkommene Menschen, sondern Menschen, die verfügbar sind, bereit sind sich senden zu lassen. Strukturen können eine Hilfe sein in manchen Situationen, die Fixierung auf Strukturen kann uns aber daran hindern verfügbar für die Wege des Herrn zu sein.
Gott sucht nicht vollkommene, sondern verfügbare Menschen.