O lieber Jesu, denk ich dein (GL 368)

Orgel – Bibel – Gotteslob

Musikalische Begrüßung des Sonntags 16.5.2020 aus der Pfarrkirche Stockerau in Niederösterreich

Orgelmusik:

Johann Sebastian Bach (1685-1750), Kyrie, Gott Heiliger Geist BWV 674-3

Begrüßung

Am Vorabend zum Sonntag wollen wir den Tag des Herrn musikalisch begrüßen, und uns die Gegenwart Gottes bewusst machen, und wir tun das

im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Herzlich willkommen zu dieser kleinen geistlichen musikalischen Andacht mit Orgelmusik, Bibelwort und mit Singen eines Kirchenliedes.

Hinführung zur Lesung

Ja, die Christen sind süchtig, sie sind sehnsüchtig. Das können wir aus den Evangelien herauslesen.

Und so lesen wir aus dem Evangelium nach Johannes:

Bibellesung: Joh 14,15-21

Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch. Nur noch kurze Zeit und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und auch ihr leben werdet. An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

Kurzgedanken

Offenbar waren die ersten Christen besorgt, nun allein da zu stehen, als Waisen, ohne Leitung, ohne Führung Es kam nun darauf an, den Weg Christi weiter zu verfolgen und selbständig zu gehen. Die Lösung ist: ein Helfer, ein Beistand wird den Weg begleiten, und dafür sorgen, dass Jesus in den Menschen fest verankert bleibt. Die Sehnsucht nach Christus, die Sehnsucht nach Gott und nach seiner andauernden Gegenwart gab es nicht nur in den ersten Tagen des Christentums. Es gibt sie heute nach wie vor. Zur Zeit der Mystiker wurde das in intensiven Worten und Bildern ausgedrückt, und unzählige Hymnen fassen dies in Tönen zusammen.

Einer davon ist der Hymnus „Jesus, dulcis memoria“ (wikipedia-link).

Er wird Bernhard von Clervault zu geschrieben, und der Text wurde vielfach übertragen und übersetzt. Er wirkt durch seine Schlichtheit; er ist nicht philosophisch, sondern wiederholt überschwänglich die Sehnsucht der Beter nach Christi und Gottes Gegenwart.

Der gregorianische Hymnus ist in Strophen aufgebaut, und jede davon besteht in seiner typischen Form aus vier Zeilen, die immer zu zwei Doppelphrasen zusammengefasst werden. Sie wurden von zwei Gruppen abwechselnd gesungen; so schlüpft jede Gruppe auch in die Rolle des Zuhörers und hat gut Gelegenheit, sich die Worte ins Herz schreiben zu lassen. Das bietet die besten Vorraussetzungen dass Christus in uns bleibt und wir in ihm.

Im GOTTESLOB ist der Gesang unter Nummer 368 zu finden

Lied O lieber Jesu, denk ich dein GL 368,1.2.4.6

Bitten

Guter Vater, dein Sohn lässt uns nicht als Waisen zurück. In diesem Vertrauen tragen wir unsere bitten vor dich hin:

  • Wir beten für die vielen Menschen auf der Flucht, die ihre Heimat, Ihre Familie, ihre Wurzeln zurück lassen müssen.
  • Wir beten für Kinder und Heranwachsenden, die niemanden haben, der für sie sorgt.
  • Wir beten für die Kranken und Sterbenden, die ungeborgen und ohne Begleitung sind.
  • Wir beten für alle, die Barmherzigkeit und Liebe zeigen, den Schwachen helfen und überall zu Stelle sind, wo es nottut.

Vaterunser

Oration

Gott, du bist da,

wenn wir uns sammeln, – du bist nah,

wir tragen deinen Namen, du bist mitten unter uns.

Du bist da, wenn wir als Freunde leben, – du bist nah,

du bist, was uns verbindet, du bist mitten unter uns.

Du bist da, wenn wir für andere Sorgen, – du bist nah,

du öffnest und die Augen, du bist mitten unter uns.

Du bist da, wenn wir nicht stehen bleiben, – du bist nah,

du treibst uns an zum gehen, du bist mitten unter uns.

Du bist da, wenn wir gemeinsam hoffen, – du bist nah,

du bist die Zukunft selber, du bist mitten unter uns.

Wolfgang Tarara SJ

 

Segen

Und Gott, der Herr, segne uns. Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben. – Amen

Verabschiedung

Vielen Dank, dass sie bei dieser kleinen musikalischen Wegstrecke dabei waren.

Einen schönen Sonntag Ihnen allen.

Orgelausklang:

Girolamo Frescobaldi (1583-1643), Canzon dopo l‘Epistola

O lieber Jesu, denk ich Dein

Aus dieser Reihe:

Herr, Du bist mein Leben